Neu als Leitung

Wie gelingt der Start als Kitaleitung?

Wichtig ist, sich Zeit zu geben und nicht sofort alles verändern zu wollen. Kleine Schritte sind besser als große Umbrüche – und das Team sollte immer mitgenommen werden. Ein Jahr braucht man mindestens, um Strukturen, Team und Abläufe wirklich zu verstehen. Welche Fähigkeiten und Stärken haben die einzelnen Fachkräfte? Wie arbeiten sie in den Gruppen mit den Kindern? Tipp: Leitungen sollten nicht nur ihre eigenen Erwartungen mitteilen, sondern auch die Erwartungen der Fachkräfte an sie selbst erfragen. Und dann offen kommunizieren, falls sie manche davon nicht erfüllen können.

Worin liegt der Unterschied, ob eine Erzieherin intern befördert wird oder in einer neuen Kita als Leitung anfängt?

Wer intern aufsteigt, kennt die Kinder sowie die Kolleginnen und Kollegen – muss sich aber abgrenzen und die neue Rolle im Team erst etablieren. Das ist oft schwieriger, als man denkt, weil frühere Beziehungen sich verändern. Bei Externen ist die Grundakzeptanz in der Regel höher. Dafür muss die neue Leitung aber ein ganz neues Team, Kinder, Eltern und Strukturen kennenlernen.

Welche Herausforderungen gibt es?

Gerade in kleineren Einrichtungen sind Leitungen oft noch im Gruppendienst. Der Spagat, für die Kinder in der Gruppe und gleichzeitig für die ganze Kita verantwortlich zu sein, ist nicht ein-fach. Es ist aber auch nicht leicht, wenn man für die Leitungstätigkeit freigestellt ist. Dann ist es wichtig, sich nicht nur ins Büro zurückzuziehen, sondern bewusst Kontakt zu halten – etwa durch regelmäßige Besprechungen oder kurze tägliche Gespräche mit allen Gruppen. Sonst verliert man den Blick für die Kinder, die Eltern und das Team.

Was bringt die neue Verantwortung mit sich?

Als Leitung muss man lernen, Entscheidungen zu treffen. Und die werden nicht immer allen gefallen. Hinzu kommt der Umgang mit Verwaltungsaufgaben, Elternarbeit und Personalfragen. Viele unterschätzen auch, wie sehr die Beziehung zum Träger neu gestaltet werden muss – regelmäßige Gespräche sind hier Gold wert.

Wie gelingt ein guter Umgang mit der gestiegenen Erwartungshaltung?

Selbstfürsorge ist wichtig: Was tut mir gut? Sei es in der Freizeit oder in Pausen während der Arbeit. Coaching und Fachberatung können unterstützen. Auch der Austausch mit Kolleginnen trägt dazu bei, in der neuen Rolle gesund zu bleiben. Oft hilft es ja schon zu hören, dass es anderen in einer ähnlichen Situation genauso geht.

Die Fragen stellte Holger Toth

Hilfreicher Blick von außen

KURZ GESAGT!

_Unterschied: Coaching adressiert die persönliche Entwicklung, Supervision Beziehungen auf der Teamebene

_Instrumente dienen der Qualitätsentwicklung

_Ziele: Zufriedenheit der Mitarbeitenden erhöhen, Zusammen arbeit verbessern

Fall 1: Frau Krause leitet seit einem halben Jahr eine Kita. Aber insbesondere bei kniffligen Entscheidungen fühlt sie sich unwohl. Für sie ist klar: Sie muss in dieser Hinsicht an ihren Führungskompetenzen arbeiten. Ein Fall für ein Coaching. Hier reflektiert sie mit einem Coach ihr Handeln. Sie erkennt, wo sie sich verbessern kann, und entwickelt Strategien, um ihr Team besser zu führen.

Fall 2: Frau Wegmann und Frau Schneider geraten leider immer wieder aneinander. Die ständigen Konflikte der Erzieherinnen belasten inzwischen das Team. Die Stimmung verschlechtert sich, die Qualität der Arbeit leidet und sogar die Fehlzeiten nehmen zu. Ein Fall für eine Supervision. Angeleitet von einer neutralen, externen Beratungsfachkraft besprechen die Beteiligten die Situation und versuchen, die jeweiligen Standpunkte zu verstehen. Ziel ist es, eine gemeinsame Lösung zu finden, sodass sich die Lage entspannt und das Team wieder gut zusammenarbeiten kann.

Die fiktiven Fallbeispiele zeigen die Unter-schiede auf: Während es beim Coaching um individuelle Förderung und persönliche Entwicklung geht, setzt die Supervision auf der Teamebene an. Sie zielt auf bessere Arbeitsabläufe, gelingende Kommunikation und (präventive) Problembewältigung ab.

Nicht erst warten, bis es (fast) zu spät ist

Geradezu idealtypisch setzen die Berliner „Kindergärten NordOst“ (KiGäNO) mit etwa 2.300 Beschäftigten in 80 Einrichtungen die beiden Instrumente ein. „Coaching nutzen wir hauptsächlich als Begleitung für neue Führungskräfte, um ihnen Sicherheit zu geben“, sagt Bereichsleiterin Annett Brümmer, die als Bindeglied zwischen dem Träger und den Kitateams fungiert. „Bei Supervisionen geht es häufig um zwischenmenschliche Beziehungen und Themen, die im Kita-Alltag auftreten.“

Allerdings sollte die professionelle Beratung nicht erst hinzugezogen werden, wenn die Probleme schon akut und Konflikte verhärtet sind. „Ich finde es wichtig, dass eine Supervision auch präventiv verstanden und als Instrument der Qualitätsentwicklung gesehen wird“, betont Annett Brümmer. Neben einem einheitlichen Kitakonzept oder internen Fachberatungen würden Supervisionen durch Externe die Leitungen und Fachkräfte stärken. „Neutrale Personen haben einen anderen Blick, stecken nicht so tief im Beziehungsgeflecht mit den Fachkräften oder auch den Kindern und Eltern drin.“ Diese Perspektive eröffne neue Handlungsmöglichkeiten.

Geschützter Rahmen für emotionale Themen

Wichtig: Supervisionen dienen nicht der Kontrolle und sind auch kein Zeichen von Schwäche. Noch ist das nicht in allen Köpfen angekommen. „Brauchen wir nicht, wir haben hier keine Probleme“ – derlei Aussagen kennt Annett Brümmer aus Kitas. Die Bereichsleiterin hält mit Argumenten dagegen: „Supervisionen sind sehr wertvoll, weil die Fachkräfte im geschützten Rahmen emotionale Themen ansprechen können. Dafür bleibt im Arbeitsalltag manchmal keine Zeit oder man traut sich nicht heran. Die Gruppe kann auch herausfordernde Situationen reflektieren und gemeinsam einen Handlungsleitfaden entwickeln.“

Die Umsetzung erfolgt bei KiGäNO aber nur, wenn mindestens die Hälfte der Beschäftigten in der jeweiligen Kita einer Supervision zustimmt. „Das Prinzip der Freiwilligkeit ist uns wichtig, damit die Supervision angenommen wird und gewinnbringend ist“, erklärt Annett Brümmer. Ist dies der Fall, lernen sich Supervisor oder Supervisorin und das Team kennen, um herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Danach geht es darum, konkrete Ziele zu definieren sowie Ablauf und Zeitrahmen festzulegen. Eine Feedbackrunde oder ein Folgegespräch schließen den Prozess ab. Erfolgreich war die Supervision dann, wenn die Ergebnisse nachhaltige Verbesserungen für den Kita-Alltag gebracht haben.

„Hilfe zur Selbsthilfe“

Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ fasst Annett Brümmer den Nutzen von Supervisionen und Coachings zusammen. Professionelle Beratungen könnten dazu beitragen, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen und die Zusammenarbeit zu verbessern. „Wir wollen unseren Fachkräften etwas an die Hand geben, damit sie mehr Sicherheit gewinnen und ihren Beruf gut ausüben können.“

Förderung

Mit dem KiTa-Qualitätsgesetz unterstützt der Bund die Länder bis 2026 finanziell bei Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität. Im Handlungsfeld „Gewinnung und Sicherung von qualifizierten Fachkräften“ gehören auch Supervisionen und Coachings dazu. Welche konkreten Maßnahmen in welcher Höhe gefördert werden, legen jedoch die einzelnen Bundesländer fest.